Rechtsruck in der libertären Bewegung

Tommy Casagrande


Rechtslibertär, Linkslibertär, Reaktionär-Libertär, Konservativ-Libertär usw. all das gibt es nicht. Es existiert schlicht nicht. Das einzige was existiert ist eine inkonsequente Denkeinstellung darüber, sich zwischen Etatismus und Libertarismus zu entscheiden. Was ist schon rechts und was ist links, wenn beides Privatsache und demnach vollkommen unpolitisch wäre? Welche Bedeutung würde es spielen, wenn der Staat entweder nicht mehr existierte, weil Menschen sich staatenlos auf freiwilliger Basis miteinander vergesellschaften wollen oder es einen Minimalstaat gäbe, der keine Entscheidungen mehr trifft, wie Menschen leben sollen oder welche Welteinflüsse das Leben dieser Menschen beeinflussen kann.

Libertär zu sein beinhaltet die selbstauferlegte Pflicht, solange man sich selber so bezeichnet, jeden Staatseingriff abzulehnen, der angedacht oder ausgeführt wird. Staatsgrenzen zu schließen ist kein Ausdruck einer Spielart des Libertarismus, sondern lediglich eine Verdeckmantelung der Tatsache, dass rechter Etatismus in die staatsfeindliche und staatskritische Bewegung des Libertarismus integriert wird oder werden soll.

Unter Führung von Hans-Hermann Hoppe haben die Mises Institute eine Öffnung für rechtsgerichtetes Gedankengut erfahren, dass im Sinne einer pervertierten Logik und einer Missachtung der Interventionsspirale auf die Probleme, die durch Staat entstehen, mit einer Forderung nach dem noch stärkeren Staat geantwortet werden. Gemäß der Worte Martin Sellners, dem aktionistischen Ideologen der Identitären, gehören somit die rechts-etatistischen Verzerrungen innerhalb der libertären Bewegung einer Remigration unterzogen. Die libertäre Bewegung wird unterwandert, weil sie unkritisch und unreflektiert im Auge hat, den Mainstream oder sagen wir, die mediale Hegemoniallandschaft als Feindbild zu kultivieren.

So wird aus allem was gesellschaftspolitisch geschieht eine Forderung gebastelt, dass alles gegenteilige richtig sei. Gibt es Multikulturalismus, so bastelt man sich die Wunschvorstellung, ein Ethnokulturalismus sei der Weisheit letzter Schluss. Der tägliche Blick auf FB verdeutlicht, dass viele die sich libertär nennen, im Geiste schlicht auf den etatistischen Pfad gekommen oder manche vielleicht ihn nie verlassen haben. Auf dem rechten Auge blind zu sein ist kein Nachweis für Intelligenz und Ausgewogenheit, vielmehr für dessen fehlen.

Woran es noch fehlt ist anscheinend das richtige Gefühl. Aufkommende Mächte sind kritisch zu beäugen. Rechte Bewegungen erfahren im Westen einen Auftrieb und können die Macht an sich reißen, weil viele Menschen sich das wünschen. Bereits jetzt hat sich schon vieles verändert. Allen voran das Gefühl. Hätte die Bedeutung rechts zu sein, bei den gegenwärtigen politischen Umwälzungen wirklich das Ziel, den Staat abzubauen und den Menschen Freiheit VOR DEM Staat zurück zu geben, wäre "rechts" seinerseits ein Deckmantel für klassisch liberale Gedanken und man könnte darüber sprechen, ob sich unter einem sogenannten Etikettenschwindel ein milderes Urteil gegenüber jenen Bewegungen äußern ließe. Nur, bei allem was ich mitbekomme ist dem nicht so.

Alle Menschen sind gleich, hinsichtlich ihrer Rechte und hinsichtlich ihrer letzten Ziele, das Glück im Leben zu finden. Hierin spielt es keine Rolle woran Menschen glauben, welche Sprache sie sprechen und welche Farbe ihre Haut hat. Es spielt auch keine Rolle ob ein Mensch als Mann oder als Frau existiert. Die richtige Politik, die weise genug ist, das Leben zu respektieren, achtet und wertschätzt die Freiheit des Individuums, um Menschen die unterschiedlich sind, den Raum zu geben, sich selbst zu entfalten und Beziehungen zueinander aufzubauen.

Wo es an diesem Raum fehlt, wird JEDER Unterschied zu einem Politikum. Alles was nicht gleich ist, wird gleich gemacht. Ob nun unter einem linken Banner oder unter einem rechten Banner spielt keine Rolle. Die Weigerung, anzuerkennen, dass linke Gleichmacherei unter dem Vorwand abzulehnen, sie sei gleichmacherisch, rechts gesonnene Kollektivismusideologien hingegen mit einem Sonnenscheinlächeln zu gutieren, ist inkonsistent. Das Buch "logisches Denken für Dummies" scheint mir eine Marktlücke zu sein, bezweifle aber zugleich, dass es damit getan wäre. Der libertären Bewegung mangelt es an Libertarismus. Zunehmend. Und das ist traurig. Aber wahr.

 

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Rubriken: Etatismus Einwanderung Politik

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